Institut für Kunstgeschichte |

| Direktor | Prof. Dr. Birgitt Borkopp-Restle |
| Assistentin | Dr. des. Ariane Koller |
| Assistent | M.A. Jörg Richter |
| Hilfsassistentin | Annette Kniep |
Die Stiftung der Werner und Margaret Abegg-Professur für die Geschichte der textilen Künste hat am Berner Institut für Kunstgeschichte einen neuen, international einzigartigen Schwerpunkt in Forschung und Lehre begründet. Gegenstand sind die textilen Künste (vorrangig: Seidenweberei, Stickerei, Tapisserie und Kostüm) bzw. Einzelwerke und Ensembles aus deren Spektrum in ihren materiellen und technisch-handwerklichen Eigenarten, ihren Funktionen und Wirkungen sowie ihrer Bedeutung in grösseren künstlerischen, historischen und politischen wie in situativen und performativen Kontexten. Die historische Spanne umfasst den Zeitraum vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart.
Dabei wird ein weiter geographischer und kultureller Raum in den Blick genommen: Motivische Übernahmen aus dem Nahen und Fernen Osten in das Musterrepertoire der europäischen Seidenweberei, Vergleiche zwischen orientalischen und abendländischen vestimentären Praktiken, Produktion und Gebrauch von Teppichen in ihren orientalischen Herkunftsländern und ihre Rezeption im Westen seien hier beispielhaft als Forschungsfelder genannt, in denen Optionen und Strategien des Kulturtransfers in der textilhistorischen Forschung analysiert werde.
Neben den textilen Künsten werden in übergreifenden Studien auch andere Gattungen des Kunsthandwerks (Möbel und Raumkunst, Glas, Porzellan und Keramik, Goldschmiedekunst) und ihre Funktionen in Interieur, Tafelkultur, Liturgie und Zeremoniell thematisiert. Andere Forschungsfragen betreffen die Darstellung kunsthandwerklicher Objekte in den Bildkünsten. Präsenz und Bedeutung textiler Objekte in Politik, Wirtschaft und Religion, in den darstellenden Künsten und Medien öffnen den Forschungsbereich schliesslich auch für die interdisziplinäre Zusammenarbeit, etwa mit der Geschichte, den Theater-, Musik- und Literaturwissenschaften
Das Masterprogramm Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Geschichte der textilen Künste schliesst an ein Bachelor-Studium der Kunstgeschichte an. Es vermittelt vertiefte Kenntnisse der spezifischen medialen Eigenarten, technischen Bedingungen und gestalterischen Möglichkeiten der verschiedenen textilen Künste und soll die Studierenden dazu befähigen, Methoden der wissenschaftlichen Untersuchung und der Diskussion textiler Kunstwerke selbständig – auch im Team mit Restaurator/-innen oder Techniker/-innen und mit Wissenschaftler/-innen anderer Disziplinen – anzuwenden. Parallel dazu wird die Einbindung textilhistorischer Forschung in das Methodenspektrum der Kunstgeschichte vermittelt und aktiv eingeübt. Die vielfältigen Verbindungen der textilen Künste zu anderen Gattungen, namentlich zu den verschiedenen Disziplinen des Kunsthandwerks und der Ornamentik, werden thematisiert; die Studierenden gewinnen so eine Vorstellung von Funktion und Bedeutung textiler Kunstwerke in den unterschiedlichsten Ensembles sowie in der Reflexion durch die Bildmedien.
Exkursionen und Museumspraktika stellen einen wesentlichen Teil des Studienprogramms dar; sie ermöglichen die Untersuchung und Diskussion von Originalen und fördern einen professionellen Zugang zu Fragen der Erhaltung, Präsentation und Vermittlung von Werken des historischen Kunsthandwerks
Die Kooperation mit Museen für Werke der textilen Künste und des Kunsthandwerks (Musée des tissus et des arts décoratifs, Lyon; Musée de la mode de la Ville de Paris – Galliera; Victoria & Albert Museum, London; Grassi – Museum für Kunsthandwerk, Leipzig u.a.) und mit dem international bedeutendsten Forschungszentrum für die Geschichte der textilen Künste, der Abegg-Stiftung, Riggisberg, eröffnet den Studierenden eine intensive Auseinandersetzung mit historischen Originalen und die aktive Teilnahme an aktuellen Forschungsdiskursen.