Institut für Kunstgeschichte

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100 Jahre Schweizer Werkbund 1913–2013

Projektdauer: 2011–2014, gefördert vom Schweizerischen Werkbund und SNF
Projektleitung: Prof. Dr. Bernd Nicolai
Forschungsassistenzen: Dr. des. Thomas Gnägi und lic. phil. Jasmine Wohlwend

Der Schweizerische Werkbund (SWB), 1913 als Vereinigung von Kunst, Industrie und Handwerk gegründet, bildete in den hundert Jahren seines Bestehens eine wichtige Konstante innerhalb der schweizerischen Gestaltungsdebatten. In inhaltlicher Anlehnung an den Deutschen Werkbund verschrieb sich der SWB der Förderung, Propagierung und Neuausrichtung qualitativ hochstehender gewerblicher und industrieller Arbeit. Eine zeitgemässe Gestaltung, in der die Entsprechung von Funktion und Form (Sachlichkeit) gewährleistet war, sollte sämtliche Bereiche des modernen Alltags – von der Architektur und dem Interieur über das Haushaltsgerät bis zur Typographie – durchdringen. Von Beginn an betrieb der Werkbund eine moderne Öffentlichkeitsarbeit als Mittel zur „Volkserziehung“: Durch Ausstellungen im In- und Ausland, Publikationen, Flugblätter und andere Aktionen wurde die möglichst breite Vermittlung der „guten Form“ angegangen. Mit der Zeitschrift „Das Werk“ erhielt der SWB ab 1914 ein auch international viel beachtetes Publikationsorgan, das in Abwandlungen bis heute existiert.

Das monografisch angelegte Forschungsprojekt zeichnet erstmals die Geschichte dieser Institution in Gänze nach und untersucht den SWB auf seine kultur-, kunst-, und ideengeschichtlichen Entwicklungen hin. Es fragt nach der Propagierung und Veränderung gestalterischer Standards sowie nach inhaltlichen Schwerpunktsetzungen des Bundes im Laufe der Jahrzehnte. Der SWB ist nur aus seiner spezifischen Struktur als zunächst heterogener Zusammenschluss unterschiedlicher Berufsgattungen zu verstehen. Mitglieder aus den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern, deren gemeinsamer Nenner weniger in einer konkreten formalen Idee als vielmehr in einer geistigen Haltung lag bzw. liegt, engagieren sich bis heute in den verschiedenen Ortsgruppen des SWB.
Die Zielsetzungen des Bundes, wie die zeitgemässe Formgebung sämtlicher Bereiche des Alltags bzw. auch seine spätere Loslösung von formalen Aspekten der Gestaltung, gilt es damit in einem sehr vielfältigen, interdisziplinären und entsprechend komplexen Wirkungsfeld zu analysieren.

Der SWB agierte stets am Puls der Zeit, und so kommt ihm, gattungsübergreifend und für die Produktkultur im Speziellen, prägende Bedeutung für die Entwicklung und Durchsetzung der Moderne des 20. Jahrhunderts zu. Eine umfassende Darstellung der Geschichte des Werkbundes von seinen Anfängen bis in die Gegenwart fehlt bislang. Analog der jahrzehntelangen Marginalisierung der schweizerischen Geschichte von Kunstgewerbe und Design innerhalb der Disziplin Kunst- und Archi-tekturgeschichte wurde auch eine umfassende Aufarbeitung der Geschichte des SWB bislang vernachlässigt. Die für 2013 angestrebte Publikation „100 Jahre Schweizer Werkbund 1913-2013“ soll die Entwicklung des SWB umfassend präsentieren und in den kunst- und kulturhistorischen Kontext einordnen. Dies geschieht auf Grundlage aller zur Verfügung stehenden Quellen. Trotz des angestrebten hohen wissenschaftlichen Standards soll der in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Werkbund erstellte Band in einer gut verständlichen Form geschrieben werden, so dass auch eine gewisse Breitenwirkung erzielt werden kann.

Das Projekt wurde mit einer Monografie, erschienen bei Scheidegger & Spiess, abgeschlossen: