Institut für Kunstgeschichte

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Orangerien und Gewächshäuser in der Schweiz Bau- und Kulturgeschichte

Gefördert durch den SNF. Laufzeit 2010-2013.
Leitung: Prof. Dr. Bernd Nicolai
Forschungsassistenten: M.A. Jörg Matthies, M.A. Simon Berger

Die Schweiz – im Zentrum Europas gelegen – ist mit den ihr eigenen Kulturlandschaften sowie durch die jeweils angrenzenden Länder vielfältigen Einflüssen ausgesetzt. So sind unterschiedlichste Formen der Garten- und Gewächshauskulturen sowie deren Gestaltung und gesellschaftliche Funktion zu untersuchen. Ob die spezielle Geschichte und Lage des Schweizer Wirtschafts- und Kulturraums auch eine Sonderstellung in der gesamteuropäischen Orangeriekultur hervorbrachte, soll mit den Ergebnissen des Forschungsprojektes beantwortet werden.

Unter der Leitung von Jörg Matthies M.A. und der Mitarbeit von Simon Berger M.A. konnten bisher schweizweit etwa 120 Orangerien und Gewächshäuser lokalisiert werden. Diese bieten in den unterschiedlichsten Konstellationen und räumlichen Anbindungen an Herrschaftssitze, Villenbauten, botanische Gärten sowie Klosteranlagen ein vielfältiges und beeindruckendes Spektrum von Architekturen, Ausstattungen und Pflanzensammlungen. Sämtliche Objekte werden in einer vom Forschungsteam erarbeiteten FileMaker-Datenbank erfasst. Diese Datenbank bildet die Grundlage für ein umfassendes Inventar. Aus der Gesamtheit aller wird an ca. 20 Objekten eine exemplarische Analyse nach folgenden Referenzpunkten durchgeführt:

  1. Ein Untersuchungszeitraum zwischen 1680 und 1920. Umfasst also die feudale Gartenkultur als auch bürgerliche Ansätze des späten 18. und 19. Jahrhunderts.
  2. Räumliche Konzentration auf die Deutschschweiz (Mittelland, Zentralschweiz, Basel und Zürich), auf die Romandie (Kantone Waadt und Genf) und auf den Kanton Graubünden.
  3. Der Kulturtransfer von den benachbarten Ländern wie Frankreich, Italien und Deutschland in de Schweiz steht im Zentrum.
  4. Die Konstruktionsgeschichte sowie der Gestaltwandel der Architektur spielen eine wichtige Rolle.
  5. Im Vergleich mit internationalen Beispielen wird der jeweilige Stand der Garten- und Orangeriekultur in einer zeitlichen und räumlichen Ebene verortet.

Die Erarbeitung der Grundlagen, also die Lokalisierung der Objekte und die Sichtung der Literatur und der Archivalien, ist noch nicht abgeschlossen und erweist sich zuweilen als nicht ganz einfach. Nach einer jahrzehntelangen Marginalisierung der Gartenkunst durch die Kunst- und Architekturgeschichte und die daraus folgende fehlende Sensibilisierung von Eigentümern und Institutionen, ist dies jedoch nicht verwunderlich. Trotzdem konnte eine sehr überraschende Anzahl von Objekten gefunden werden, welche im internationalen Kontext durchaus beachtenswert sind.

Fernziel des Forschungsprojektes wird es sein, die Ergebnisse der exemplarischen Analysen in einer Publikation zu bündeln und damit eine Grundlage zur Orangerie- und Gewächshausforschung in der Schweiz zu liefern.

Abb. 1: Orangerie des Löwenhofs in Rheineck SG, um 1748 für den Textilkaufmann Giovanni Heer. Foto: S. Berger
Abb. 2: Orangerie des ehemaligen Zisterzienserklosters St. Urban LU, 1777-1780 von Johann Jakob und Niklaus Purtschert. Foto: S. Berger
Abb. 3: Orangerie des Schlosses Münsingen BE, um 1790 von Niklaus Sprüngli. Foto: J. Matthies
Abb. 4: Orangerie mit Treibhausflügel des Schlosses Oberhofen BE, 1861/62 für Albert Graf Pourtalés. Foto: J. Matthies