Abteilung für Geschichte der Textilen Künste

Profil

Die Stiftung der Werner und Margaret Abegg-Professur für die Geschichte der textilen Künste hat am Berner Institut für Kunstgeschichte einen neuen, international einzigartigen Schwerpunkt in Forschung und Lehre begründet. Gegenstand sind die textilen Künste (vorrangig: Seidenweberei, Stickerei, Tapisserie und Kostüm) bzw. Einzelwerke und Ensembles aus deren Spektrum in ihren materiellen und technisch-handwerklichen Eigenarten, ihren Funktionen und Wirkungen sowie ihrer Bedeutung in grösseren künstlerischen, historischen und politischen wie in situativen und performativen Kontexten. Die historische Spanne umfasst den Zeitraum vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart.
Dabei wird ein weiter geographischer und kultureller Raum in den Blick genommen: Motivische Übernahmen aus dem Nahen und Fernen Osten in das Musterrepertoire der europäischen Seidenweberei, Vergleiche zwischen orientalischen und abendländischen vestimentären Praktiken, Produktion und Gebrauch von Teppichen in ihren orientalischen Herkunftsländern und ihre Rezeption im Westen seien hier beispielhaft als Forschungsfelder genannt, in denen Optionen und Strategien des Kulturtransfers in der textilhistorischen Forschung analysiert werde.

Neben den textilen Künsten werden in übergreifenden Studien auch andere Gattungen des Kunsthandwerks (Möbel und Raumkunst, Glas, Porzellan und Keramik, Goldschmiedekunst) und ihre Funktionen in Interieur, Tafelkultur, Liturgie und Zeremoniell thematisiert. Andere Forschungsfragen betreffen die Darstellung kunsthandwerklicher Objekte in den Bildkünsten. Präsenz und Bedeutung textiler Objekte in Politik, Wirtschaft und Religion, in den darstellenden Künsten und Medien öffnen den Forschungsbereich schliesslich auch für die interdisziplinäre Zusammenarbeit, etwa mit der Geschichte, den Theater-, Musik- und Literaturwissenschaften

Studium

Das Masterprogramm Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Geschichte der textilen Künste schliesst an ein Bachelor-Studium der Kunstgeschichte an. Es vermittelt vertiefte Kenntnisse der spezifischen medialen Eigenarten, technischen Bedingungen und gestalterischen Möglichkeiten der verschiedenen textilen Künste und soll die Studierenden dazu befähigen, Methoden der wissenschaftlichen Untersuchung und der Diskussion textiler Kunstwerke selbständig – auch im Team mit Restaurator/-innen oder Techniker/-innen und mit Wissenschaftler/-innen anderer Disziplinen – anzuwenden. Parallel dazu wird die Einbindung textilhistorischer Forschung in das Methodenspektrum der Kunstgeschichte vermittelt und aktiv eingeübt. Die vielfältigen Verbindungen der textilen Künste zu anderen Gattungen, namentlich zu den verschiedenen Disziplinen des Kunsthandwerks und der Ornamentik, werden thematisiert; die Studierenden gewinnen so eine Vorstellung von Funktion und Bedeutung textiler Kunstwerke in den unterschiedlichsten Ensembles sowie in der Reflexion durch die Bildmedien.

Exkursionen und Museumspraktika stellen einen wesentlichen Teil des Studienprogramms dar; sie ermöglichen die Untersuchung und Diskussion von Originalen und fördern einen professionellen Zugang zu Fragen der Erhaltung, Präsentation und Vermittlung von Werken des historischen Kunsthandwerks

Besonderheiten

Die Kooperation mit Museen für Werke der textilen Künste und des Kunsthandwerks (Musée des tissus et des arts décoratifs, Lyon; Musée de la mode de la Ville de Paris – Galliera; Victoria & Albert Museum, London; Grassi – Museum für Kunsthandwerk, Leipzig u.a.) und mit dem international bedeutendsten Forschungszentrum für die Geschichte der textilen Künste, der Abegg-Stiftung, Riggisberg, eröffnet den Studierenden eine intensive Auseinandersetzung mit historischen Originalen und die aktive Teilnahme an aktuellen Forschungsdiskursen.

Berner Forschungscamp zur Angewandten Kunst

Die Abteilung „Geschichte der textilen Künste“ des Instituts für Kunstgeschichte veranstaltet jährlich das Berner Forschungscamp zur Angewandten Kunst. Ziel der Veranstaltung ist es, NachwuchswissenschaftlerInnen eine Plattform zu bieten, auf der sie ihre aktuellen Forschungsarbeiten zu Themen der Angewandten Künste präsentieren und in einem kleinen Kreis von Experten intensiv diskutieren können. Langfristig ist damit der Aufbau eines Netzwerkes verbunden, das den wissenschaftlichen Austausch junger Forscher koordinieren und fördern soll.

Habilitationsprojekte

  • Ariane Koller: Stoffe der Trauer – Stoffe der Macht. Textile Objekte im höfischen Trauerzeremoniell der Frühen Neuzeit (seit 2013)

Dissertationsprojekte

  • Jörg Richter: Reliquienschenkungen und Reliquiare unter Přemysl Otakar II. (abgeschlossen)
  • Nora Rudolf: Textilsammlungen in Kunstgewerbemuseen: Sammeln, Ausstellen und Bewahren historischer Textilien im 19. Jahrhundert (Graduate School of the Arts/Institut für Kunstgeschichte, Universität Bern, seit September 2015)
  • Anke Weidner: Polsterhandwerk zwischen 1770 und 1830 am Beispiel von Sitzmöbeln im Bestand von Schloss Wörlitz (seit 2014)
  • Daniela C. Maier: Galvanoplastische Reproduktionen von historischen (Edel-) Metallarbeiten in Kunstgewerbemuseen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
  • Corinne Mühlemann: Gold-Seide-Stoffe mit Streifendekor aus Westasien und dem östlichen Mittelmeerraum um 1300 (seit 2014)
  • Jonas Leysieffer: Zeigen und Verbergen, Tapisserien am Münchner Hof von Albrecht V. bis Maximilian I. (seit 2013)
  • Christoph Messerli: Die Berner Keramik im 19./20. Jahrhundert (seit 2012)

Abgeschlossene Masterarbeiten

  • Isabelle Berger: Die Wappenverdüren Philipps des Guten und Karls V. im Vergleich (FS 2015)
  • Annina Dosch: Max Fröhlich – Moderne Gestaltung von Schmuck und Gerät (FS 2015)
  • Lea Hunkeler: Stickereien als Schnittstelle zwischen Europa und dem Orient. Die Verwendung von Musterelementen orientalischer Knüpfteppiche in europäischen Stickereien (FS 2015)
  • Henriette Küffer: Antizipierende Motive auf textilen Wandbespannungen und Papiertapeten im ausgehenden 18. Jahrhundert (FS 2015)
  • Jalan Lehmann: Das Tschintamani-Motiv in der Iznik Keramik (FS 2015)
  • Margaux Magnusson: Le «style étrusque» et sa manifestation dans le papier peint. L’exemple de la manufacture Réveillon (FS 2015)
  • Kai-Inga Dost: Sechs Kopien von Fahnen aus dem Bernischen Historischen Museum. Überlegungen zu Fahnenkopien aus dem 15. und 16. Jahrhundert (FS 2014)
  • Nadine Finsterwald: Gewirkte Szenen aus dem Leben des heiligen Bernhard. Eine Untersuchung der zwei Tapisserien aus dem Iparmüvészeti Múzeum in Budapest (FS 2014)
  • Daniela C. Maier: Paris liegt an der Elbe! Voraussetzungen, Kontext und Verortung des Pariser Saales im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (FS 2014)
  • Annette Kniep: Philippe de Lasalle – Ein Lyoner Seidenentwerfer des 18. Jahrhunderts (HS 2013)
  • Corinne Mühlemann: Die Darstellung von textilen Objekten im grossen Šāhnāme – Überlegungen zu ihrer Funktion am Hof der īlḫāniden zwischen 1323–1335 (HS 2013)
  • Ilona Müller: Samt und sonderbar – Überlegungen zum Samtpluviale Inv. Nr. 25 des Bernischen Historischen Museums (HS 2013)
  • Jonas Leysieffer: Mit Tapisserien gesprochen – Höfische Kommunikation auf der Hochzeit von Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg und Magdalena von Bayern 1613 (FS 2013)
  • Andrea Franzen: Männersache – Die Gilets brodés des Bernischen Historischen Museums aus dem 18. Jahrhundert (FS 2012)
  • Alessa Panayiotou: Demonstration von Diversität und Synchronität: Die gedruckten Kostümbücher des 16. Jahrhunderts als Instrumente zur Selbstkategorisierung und Selbstidentifizierung am Beispiel der Habiti des Cesare Vecellio (HS 2010)