Architektonische Agency der Schweizerischen Frauenbewegung, 1870–1930: Neue Perspektiven auf Entstehung und Gestaltung der gebauten Umwelt

Im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert waren Frauenvereine in der Schweiz in vielen Bereichen aktiv. Den Frauen ging es um Wohltätigkeit, ihren eigenen sozialen Status und Selbstverwirklichung, politische Rechte, Bildung, Moral oder Gesundheit. Versammlungsräume, Klinikgebäude oder Parks wurden zu wichtigen Mitteln ihrer kollektiven ehrenamtlichen Tätigkeiten, beispielsweise in den Bereichen Mädchenbildung oder Fürsorge. Dabei sahen sie sich mit dem Ankauf, dem Um- oder Neubau von Liegenschaften, der Diskussion von Raumprogrammen, der Einrichtung und Nutzung von Innenräumen oder der Pflege von öffentlichen Grünanlagen konfrontiert. Dies machte sie zu Akteurinnen einer kollektiven Bewegung mit architektonischer Handlungsmacht (agency), da sie die Gestalt und den Diskurs der gebauten Umwelt massgeblich mitprägten.

 

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Das Forschungsprojekt untersucht die vielfältigen Beiträge, die Frauenvereine in der Schweiz zu Theorie und Praxis der Architektur im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert lieferten.

Der Untersuchungszeitraum ergibt sich aus den ersten (inter-)nationalen Gründungen von Frauenvereinen in der Schweiz in den 1870er Jahren einerseits und der von ihnen initiierten ersten Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) 1928 andererseits. Die Schweizerische Frauenbewegung, und die ehrenamtliche Arbeit in Vereinen, lieferte einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen, politischen und soziokulturellen Entwicklung des Landes im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Das Projekt untersucht erstmals eine Architekturgeschichte in dieser Frauengeschichte. 1928, wurde die SAFFA unter der Leitung von Lux Guyer, der ersten selbstständig praktizierenden Architektin in der Schweiz, nicht nur zu einer Leistungsschau weiblicher Arbeit, sondern auch zu einer Bau- und Wohnausstellung. In gewisser Weise übergaben die Architekturamateurinnen damit den Stab an eine neue Berufsgruppe, an «Frau Architekt».

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das interdisziplinäre Projekt baut auf Forschungsansätzen und -erkenntnissen aus der Kunst- und Architekturgeschichte sowie den Geschichtswissenschaften und der Gender Studies auf. Als Forschungsteam (PI, Postdoc, Doktorand*in, HiWi) arbeiten wir insbesondere mit schriftlichem und visuellem Archivmaterial sowie mit Ortsbegehungen. Mit verschiedenen Formaten beteiligen wir uns an der wissenschaftlichen Aufarbeitung und der Wissenschaftskommunikation im Kontext des SAFFA-Jubiläums 2028.

 

Projektleitung (PI)

Prof. Dr. Laura Hindelang

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen

Dr. Nina Hüppi, Postdoktorandin, operative Leitung
M.A. Ines Gadermaier, Doktorandin
Anna Lea Gerber, Hilfsassistenz
Pauline Koch, Hilfsassistenz

Projektpartnerin

Gosteli-Archiv. Geschichte schweizerischer Frauenbewegungen

Projektdauer

September 2026 bis August 2030

Finanzierung

Schweizerischer Nationalfonds, No. 10007704